Mit umfassenden Strategien hohe Qualität im Gesundheitssystem sichern

Qualitätsstrategie 3.0. und Patientensicherheitsstrategie 3.0.

Seit den ersten Strategien zu Qualität (im Jahr 2010) und Patientensicherheit (2013) haben sich die Rahmenbedingungen im österreichischen Gesundheitswesen stark verändert. Deshalb war es Zeit für eine umfassende Aktualisierung. Damit eine Strategie erfolgreich ist, muss sie klare Ziele setzen, kombiniert mit Vorgaben für transparente und verständliche Berichterstattung und Beteiligung der Leistungserbringer:innen. International wird auch noch auf Anreizsysteme gesetzt, da gibt es in Österreich noch Aufholbedarf, nicht zuletzt aufgrund der stark zersplitterten Zuständigkeiten. Ab Mitte 2025 bis Ende 2030 sind die beiden neuen Strategien in Geltung und geben vor, dass die Gesundheitsversorgung patient:innenorientiert, nachhaltig, wirksam, sicher und vernetzt sein soll.

Qualitätsstrategie

Methodisch wurde ein breiter Beteiligungsprozess zur Weiterentwicklung der Qualitätsstrategie gewählt. Neben der Projektgruppe als Zielsteuerungsgremium, besetzt mit Vertreter:innen von Ländern, Sozialversicherung und Bund, wurde auch eine Gruppe mit Fachexpert:innen sowie eine Gruppe mit Erfahrungsexpert:innen (Selbsthilfeorganisationen, Armutsbetroffene, Menschen mit Migrationshintergrund, Vertreter:innen aus der Bevölkerung) eingerichtet. In Workshops unter Leitung der Gesundheit Österreich GmbH wurde Feedback zu den von der Projektgruppe festgelegten Themenschwerpunkten eingeholt.

Es wurden Themenschwerpunkte zu fünf operativen Zielen mit jeweils konkreten Vorschlägen für Maßnahmen formuliert. Die in der Qualitätsstrategie vereinbarten empfohlenen Maßnahmen sind inklusive eines Monitorings umzusetzen, daher wurde bei der neuen Qualitätsstrategie darauf geachtet, dass, wenn möglich, Indikatoren zu den einzelnen Maßnahmen definiert wurden.

Patientensicherheitsstrategie

Die neue Patientensicherheitsstrategie wurde ebenfalls unter Beteiligung der wichtigsten Organisationen im Gesundheitswesen im Beirat für Patient:innensicherheit erarbeitet. Die folgende Ziel- setzung wurde der neuen Strategie, die fünf Schwerpunktthemen umfasst, von den Beiratsmitgliedern vorgegeben: „Wir schaffen eine Gesundheitsversorgung, in der Patientensicherheit selbstverständlich ist – getragen von einer offenen, lernenden und verantwortungsvollen Kultur. Unsere Vision ist ein System, in dem Fehler nicht versteckt, sondern verstanden und aufgearbeitet werden, in dem Mitarbeitende ohne Angst vor Schuldzuweisung sprechen können und in dem gemeinsam aus Erfahrungen gelernt wird, um Schaden zu vermeiden. Unser Ziel sind vertrauensvolle, resiliente und lernende Organisationen, in denen Patientensicherheit nicht nur ein Ziel, sondern ein gelebter Wert sind – tagtäglich und auf allen Ebenen.

Die Strategie greift fünf Schwerpunktthemen auf:

Schwerpunkt Nummer 1 beschäftigt sich zum Beispiel mit Transparenz, Offenheit und einer No-Blame Kultur. Dieser Ansatz soll strukturell auf allen Ebenen gefördert werden – gegenüber den Patient:innen, aber auch innerhalb der Kolleg:innenschaft. Ein mögliches Beispiel für die Umsetzung wäre die Etablierung von Verantwortlichen für Patient:innensicherheit in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Beide Strategien werden hoffentlich in den nächsten Jahren von den Stakeholdern im Gesundheitswesen engagiert umgesetzt werden und dazu beitragen, dass das Vertrauen in die Gesundheitsversorgung in Österreich zu Recht erhalten bleibt und die Menschen auf ihre Bedürfnisse abgestimmte und sichere Behandlung erhalten.

Über den/die Autor/In

Mag.a Patrizia Theurer ist  Juristin im Gesundheitsministerium und arbeitet seit über 15 Jahren in der Abteilung für Qualität und Gesundheitssystemforschung (in der Sektion VII). Ihre Kernthemen sind Patientinnen- und Patientensicherheit (u.a. federführend an der Abwicklung des Beirats für Patientinnen- und Patientensicherheit beteiligt) und die Bearbeitung/Koordination der Qualitätsthemen in der Zielsteuerung – Gesundheit.